NeuzeitChuan LeekpaiDer aus den landesweiten Parlamentswahlen am 13. September 1992 als Sieger hervorgegangene Chuan Leekpai war der erste zivile, gänzlich von militärischen Dienstgraden oder einer Ausbildung in der Königlichen Chulachomklao Militärakademie unbelastete Premierminister. Erwartungsgemäss gingen die meisten Sitze bei dieser Wahl an die Parteien, die sich für die Demokratie einsetzten. Der Ausgang der Wahl war dennoch eine Überraschung. Durch Stimmenkauf, einer gängigen Praktik bei allen Lagern, war es nämlich auch den Parteien, die sich weiterhin für das Militär engagierten, gelungen, einen ausnehmend hohen Stimmenanteil zu erlangen, ebenso wurde Chatichai Choonhavan mit seiner neugegründeten Chart Pattana Partei auf Anhieb zur drittstärksten Fraktion im Parlament, während Chamlong Srimuang und seine Phalang Dharma Partei unerwartete Einbussen hinnehmen mussten. Eine Koalition aus fünf sogenannten Engelsparteien stand nun in den nächsten Jahren vier starken Teufelsparteien gegenüber. Erstaunlicherweise wurde die neue Regierung gerade von Chatichai Choonhavan, als inoffizieller Oppositionsführer jetzt auf der Seite der Parteien des militärischen Flügels, mit denen er zuvor in seiner eigenen Amtszeit heftige Auseinandersetzungen auszutragen hatte, besonders stark attackiert, während ihr von der Seite der Armeeführung selbst zugesichert wurde, sich aus den politischen Entscheidungen künftig herauszuhalten und die weitere Demokratisierung zu unterstützen. |
Ernste Probleme entstanden Chuan Leekpai von Anfang an vor allem auch
durch seine eigenen Koalitionspartner. Chatichai Choonhavan widersetzte sich in erster Linie der Wirtschaftspolitik des Premierministers und versuchte seltsamerweise, den Einfluss der Armee wieder zu stärken und demokratische Reformen zu verhindern oder rückgängig zu machen. Im Mai 1994 kam es dann kurzzeitig wieder zu heftigeren Grenzkonflikten mit den Truppen der Roten Khmer in Kambodscha. Ein Jahr später, im Mai 1995, scheiterte die Regierung von Chuan Leekpai, nachdem die Palang Dharma Partei unter Chamlong Srimuang ihren Austritt aus der Koalition bekanntgab. Der Anlass war ein Skandal bei einem Bodenreformprogramm der Regierung, an dem sich einige wohlhabende Familien aus Phuket auf Kosten der armen Landbevölkerung bereichert hatten. |