Prathet ThaiDer Zweite WeltkriegAm 8. Dezember 1941 wurde Thailand trotz eines im Jahr 1940 geschlossenen Freundschaftsvertrages an neun Stellen, vorwiegend auf der südwestlichen Halbinsel, von japanischen Truppen angegriffen. Nach einigen Stunden mässiger Gegenwehr kam es zu einem Waffenstillstand und zu Verhandlungen. Phibul Songkhram war sich darüber im klaren, dass jeder Widerstand nur in einer unvermeidbaren Niederlage enden würde. Am 21. Dezember 1941 schloss er daher ein Abkommen mit Japan, in dem die weitere Unabhängigkeit des Landes garantiert wurde. Im Gegenzug gewährte Thailand den Japanern ungehinderten Zugang für ihre weiteren Eroberungsvorhaben in den englischen Kolonien Malaysia und Burma. Tatsächlich beschränkte sich der unmittelbar darauf folgende Einmarsch
der japanischen Truppen auf die Besetzung einiger weniger, strategisch wichtiger Gebiete, hauptsächlich um Bangkok und die Provinz Kanchanaburi, die durch den Bau der Eisenbahnlinie, verewigt in Pierre Boulles Roman "Die Brücke Am Kwai", weltbekannt geworden ist und heute zu den meistbesuchten Attraktionen des Landes zählt. In Bangkok wurde das traditionelle Oriental Hotel zum Hauptquartier der Besatzungstruppen. Viele der nationalistischen Bestrebungen Phibul Songkhrams deckten sich mit den Vorstellungen der Japaner, ein entscheidender Grund für die passive Beteiligung am Krieg auf der Seite der Achsenmächte. Thailand erhoffte sich, im Zuge der weiteren Ereignisse, die unter dem Druck der französischen Blockade von 1893 abgetretenen Gebiete im heutigen Laos und Kambodscha und die Gebiete im heutigen Malaysia, die sie den Engländern 1909 übergeben mussten, endlich wieder zurückzuerhalten. Ebenso kam es während dieser Zeit auch zu einer Reihe von antichinesischen Massnahmen im Innenland, nachdem Phibul Songkhram die Beziehungen zu Japan immer mehr intensiviert hatte. |
KriegserklärungenGegen den Widerstand von Pridi Panomyong, der sich daraufhin
weitgehend aus seinen politischen Aktivitäten zurückzog und nur noch als Regentschaftsvertreter des abwesenden jungen Königs fungierte, erklärte Thailand den Alliierten im Jahr 1942 den Krieg. Seni Pramoj, der thailändische Botschafter in Washington, weigerte sich allerdings, die Kriegserklärung zu übergeben und sperrte sie bis zum Ende des Krieges in seinen Schreibtisch ein. Dadurch kam es niemals zu einer offiziellen Auseinandersetzung mit den USA, was sich für den weiteren Verlauf der Geschichte als ausgesprochen vorteilhaft erweisen sollte. Als sich im Verlauf der nächsten zwei Jahre die Beziehungen zu Japan allmählich verschlechterten und ein Sieg der Alliierten immer wahrscheinlicher wurde, gewann die zu Beginn des Krieges gegründete, von Seni Pramoj geführte und von Pridi Panomyong unterstützte Widerstandsbewegung Seri Thai, das Free Thai Movement, langsam an Einfluss. Im April 1944 wurde Phibul Songkhram schliesslich durch einen Beschluss der Nationalversammlung gezwungen, vom Amt des Premierministers zurückzutreten und musste im Juni 1944 ins Exil nach Japan flüchten. Die erste zivile Regierung seit dem Staatsstreich von 1932 widerrief unverzüglich die Kriegserklärung gegen die Alliierten und stellte sich jetzt auf ihre Seite. Diese vom westlichen Ausland stark kritisierte, wechselhafte Politik bewahrte letzten Endes nach der bedingungslosen Kapitulation Japans die Unabhängigkeit Thailands. Thailand musste zwar die wiedererlangten Gebiete erneut an die Engländer und Franzosen zurückgeben, wurde aber durch den vehementen Einspruch der USA, die dies als günstige Gelegenheit betrachteten, mit einem unabhängigen Thailand nun ihre Interessenssphäre auf Südostasien ausdehnen zu können, was letztlich dann auch zum Vietnamkrieg führte, nicht weiter zur Verantwortung gezogen. Auf diese Weise war Thailand zumindest ein weiteres Mal den Kolonialisierungsvorhaben Englands und Frankreichs entgangen. |