ReligionMönchtumBeinahe jeder männliche Thai, unabhängig von seinem Stand oder seinem Beruf, verbringt zumindest in seiner Jugend eine gewisse Zeit als Novize in einem Kloster, früher waren sogar drei Monate gesetzlich vorgeschrieben. Häufig verbinden auch Schulkinder ihre Ferien mit einem mehrmaligen Aufenthalt. Während dieser Zeit unterziehen sie sich freiwillig den strengen Regeln des Mönchsorden, um sich Verdienste für ihr künftiges Leben zu erwerben und ihr Karma zu verbessern. Sie nehmen das geforderte Armutsgelübde auf sich, das ihnen nur einige wenige Besitzgegenstände erlaubt, verzichten auf sexuelle Kontakte und viel andere Annehmlichkeiten ihres sonstigen Lebens und verbringen unter der Anleitung der Mönche den Tag nach den Regeln des Ordens mit dem Studium buddhistischer Schriften und Meditation. Diese Selbsterfahrung auf sich zu nehmen ist auch in der modernen thailändischen Gesellschaft immer noch von entscheidender Bedeutung, ein Mensch, der diesen Abschnitt in seinem Leben nicht durchlebt hat, gilt häufig als unreif in der allgemeinen Meinung. Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich, dass sich viele Menschen in ihrem späteren Leben erneut diesem Schritt unterziehen und für eine Zeitlang ihre Uniform, Berufskleidung oder ihren Anzug mit der safrangelben Robe vertauschen. |
Die staatlichen Behörden, die Armee und viele grosse Unternehmen stellen ihre
Arbeitnehmer und Angestellten für diesen Zeitraum bei vollen Bezügen frei. Ebenso besteht immer die Möglichkeit, diese Zeit des Novizentums auf eine unbestimmte Zeit zu verlängern oder auch ein lebenslanges Dasein als Mönch zu beginnen. Das Leben als Mönch ist im Wesentlichen nicht auf die erwünschte Abgeschiedenheit der Klostermauern beschränkt. Ausser einem Zeitraum von drei Monaten während der Regenzeit, in dem der vorgeschriebene Aufenthalt im Kloster der Vertiefung, dem Austausch und der Erweiterung des Wissens dient, steht es jedem Mönch frei, wie Buddha und seine ersten Wegbegleiter durch das Land zu reisen. Darüberhinaus werden ihm auch keine Vorschriften auferlegt, in welchen Gebieten er sein Wissen vertiefen möchte, eine kritische Auseinandersetzung mit der Lehre gilt sogar als Tugend. Ebenso ist es jederzeit möglich, den Orden wieder zu verlassen, ohne dafür irgendeine Benachteiligungen seitens des Klosters oder innerhalb der thailändischen Gesellschaft hinnehmen zu müssen. |